Menden und Line Management beim Fliegenfischen

In Fliegenfischen by BastianLeave a Comment

Menden bedeutet, die beim Fliegenfischen auf dem Wasser liegenden Schnur so zu kontrollieren, das die Fliege sich wie gewünscht auf oder unter Wasser bewegt. Durch Menden kann man den Drag, also das Verziehen der Fliege, kontrollieren und vermeiden.  Am besten ist es natürlich, wenn die Fliege so driftet, dass man gar nicht Menden muss.

Menden braucht man beim Fliegenfischen überall dort, wo das Wasser sich bewegt. Das bedeutet vor allem beim Fischen im Fliessgewässern. Aber auch beim Fischen in Seen, wenn sich das Wasser, zum Beispiel durch Wind, bewegt, kann Menden hilfreich sein. Bei starker Strömung ist gutes Line Management wichtiger als bei wenig Strömung.

Menden bedarf, wie alles beim Fliegenfischen, etwas Übung. Vor allem dass man den Mend so hinbekommt, dass sich die Fliege oder der Bissanzeiger nicht bewegt, ist nicht ganz einfach. Daher ist es Sinnvoll, das Menden in weniger heiklen Situationen etwas zu üben um dann Parat für vorsichtige Fische zu sein.

Bei verschieden starken Strömungen wird die Schnur auf dem Wasser verzogen.

Warum muss man menden?

Beim Fliegenfischen wird gemedet, um das draggen der Fliege zu vermeiden. Die Fliege treibt so länger in der natürlichen Strömung, was schlussendlich zu mehr gefangenen Fischen führt. Menden ist vor allem beim Fliegenfischen im Fliessgewässern auf Forellen und Äschen wichtig. Je nach Situation kann es aber auch für andere Fischarten und Situationen sinnvoll sein.

Damit man den Drift besser kontrollieren kann, ist es wichtig zu wissen, wo die Fliege ist. Die Fliege sollte daher gut sichtbar sein, zum Nymphemfischen sind Bissanzeiger hilfreich. Menden hilft ausserdem beim Nassfliegen- oder Streamerfischen die Fliege schneller oder weniger schnell auf Tiefe zu bringen. Mehr dazu aber später.

Der Death Drift, die normale Präsentation beim Fliegenfischen

Beim Death Drift (Totem Treiben) geht es darum die Fliege möglichst natürlich mit der Strömung treiben zu lassen. Viele Wasserlebewesen wie Insektenlarven, die aufsteigenden Insekten, Würmer, Egel oder Schnecken sind relativ schlechte Schwimmer. Gegen die Strömung in Fliessgewässern kommen sie meist nicht an.

Sogenannte Anflugnahrung schwimmt oft noch schlechter. Wer schon mal einen Käfer im Wasser gesehen hat, konnte beobachten, das dieser nur hilflos rumzappeln konnte. Maifliegen sitzen zum Teil bewusst auf dem Wasserfilm, lassen sich aber meistens auch nur mittreiben.

Mit dem Death Drift versucht man das Verhalten solcher schlecht schwimmender Forellennahrung möglichst perfekt zu imitieren. Man lässt die Fliege möglichst natürlich an einem Fisch vorbeitreiben, so das diese sich die Fliege schnappt.

Fische hingegen sind sehr gute Schwimmer. Für sie ist es kein Problem einfach in der Strömung zu stehen und zu warten, bis etwas fressbares vorbei treibt. Forellen verbringen beispielsweise über 85% des Tages so.

Drag Free Drift, unnatürliches verhalten vermeiden

Anders als ein Insekt, ist eine Kunstfliege an einer Schnur angebunden. Dies führt dazu, das die Fliege irgendwann anfängt auf der Bahn zu verziehen, also zu draggen. Der Fisch findet die Fliege nicht mehr interessant findet, da sie nicht mehr für potentielle Nahrung gehalten wird.

Schuld am Verziehen, ist vor allem die Tatsache, dass durch verschiedene Strömungen im Fliessgewässer sich die Wurfschnur auf dem Wasser verzogen wird. Es bildet sich ein Belly (Schnurbauch). Um dem entgegen zu wirken und einen Drag Free Drift (Treiben ohne Ziehen) zu bekommen mendet man die Wurfschnur auf dem Wasser. Die Fliege bleibt so in der Bahn und verzieht nicht.

Natürlich ist irgendwann jeder Drift vorbei, mit Menden kann man den Drift aber deutlich länger aufrecht erhalten. Menden führt so zu mehr Fischen.

Ziel ist es, Drag zu vermeiden

Den perfekten Drift macht eine Fliege dann, wenn sie nicht durch die Schnur verzogen wird, also ohne Drag. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten. Beim Menden geht es darum, den Schnurbauch von der einen auf die Andere Seite zu verlagern. Bildet sich ein Schnurbauch, muss man Menden um Drag zu vermeiden. Dabei ist es wichtig dass, man schon vorausschauend mendet. Dragt die Fliege bereits, ist es zu spät.

Schnurbäuche oder auf Englisch Bellys, können sich Flussabwärts oder Flussaufwärts bilden, je nach Strömung. Daher muss man das Menden der Situation anpassen.  Ein Schnurbauch der flussab zeigt, wird flussauf gelegt und umgekehrt.

Wie oft man in einem Drift Menden muss, hängt sehr stark von den Umständen ab. Bei ruhiger Strömung oder wenig bis keiner Gegenströmung muss man auch nicht Menden. Je stärker die Strömung ist desto wichtiger ist ein gutes Linemanagement.

Bereits vor dem Werfen kann man darauf achten, dass man sich so positioniert, dass die Wurfschnur nachher möglichst in der gleichen Strömung liegt. Das bedeutet zum Beispiel den Strömungsschatten von einem Stein direkt von unten anzuwerfen, so dass die Schnur gar nicht verzogen werden kann. Ist dies nicht möglich, sollte man sich so Positionieren, dass man die Schnur möglichst gut vom Wasser wegheben kann.

Wer so Stromauf fischt, vermeidet Drag, da die Schnur nur in einer Strömung liegt.

Der zweite Tipp ist, möglichst wenig Schnur auf dem Wasser zu haben. Vor allem wenn man in starken Gegenströmungen fischt, bekommt man schnell einen Schnurbauch und die Fliege fängt an zu draggen. Kann man die Schnur aus der Strömung, halten kann man Drag vermeiden.

indem man die Rute hochhält liegt wenig Schnur auf dem Wasser und kann auch nicht verzogen werden.

Ausserdem sollte Slack vermieden werden. Slack ist Schnur, welche vor der Rutenspizte auf dem Wasser liegt. Die Schnur, welche ausserhalb der Rutenspitze ist, sollte möglichst gering gehalten werden. So gibt es einen kleineren Schnurbauch und das Menden fällt leichter.

Durch das Menden kann die Fliege ebenfalls unerwünscht bewegt werden. Ziel beim Menden ist jedoch, dass die Fliege sich möglichst nicht bewegt. Beim Menden muss man darum darauf achten, das die Schnur nicht zu stark bewegt wird und sich die Fliege bzw. der Bissanzeiger nicht bewegt. Nymphen sind nicht so heikel wie Trockenfliegen, etwas Bewegung lässt sich meistens aber auch nicht vermeiden.

Nahe Mends der Rutenspitze

Auf nahe Distanzen kann man die Schnur einfach mit einer Bewegung der Rutenspitze menden. Je nachdem, wie gross der Schnurbauch auf dem Wasser ist, reicht manchmal auch nur ein kleiner Mend. Wenn nicht mehr als zwei oder drei Rutenlängen Wurfschnur aus der Rutenspitze sind, reicht es, wenn man mit der Rutenspitze einen Bogen macht.

Beim nahen Menden reicht eine kleine Bewegung mit der Rutenspitze

Weite Mends mit der ganzen Rute

Ist mehr Schnur auf dem Wasser braucht man einen etwas grösseren Impuls um den Mend über grössere Distanzen zu machen. Zum Menden über grössere Distanzen wird die ganze Rute mit dem Arm bewegt.  Die Bewegung welche auch bei kleinen Mends gemacht wird, wird einfach mit der ganzen Rute sowie dem Arm gemacht. So kann man mehr Schnur vom Wasser heben.

Bei weiteren Mends hebt man den ganzen Arm

Menden beim Werfen

Menden muss man nicht erst, wenn die Schnur schon auf dem Wasser liegt. Bereits im Wurf kann man einen Mend mit einbauen, so dass man nicht direkt nach dem Werfen schon mit dem Menden anfangen muss.

Solche Würfe bedürfen etwas Übung, daher ist es sinnvoll sich diese von einem Guide oder Instructor zeigen zu lassen und etwas zu üben bevor man einen heiklen Fisch anwirft. 

Aerial Mend, menden direkt nach dem Wurf

Eine Möglichkeit den Mend bereits beim Werfen einzubauen ist der Aerial Mend. Beim Ablegen der Schnur beim Wurf wird die Bewegung des Mendens bereits eingebaut. Mit der Rutenspitze wird ein Bogen gemacht, so dass sich die Schnur auf das Wasser legt.

Der Aerial Mend funktioniert sowohl nach links oder rechts, egal mit welcher Hand man wirft. Macht man die Bewegung direkt nach dem Wurf, ist der Mend weiter weg, wartet man kurz, ist der Mend näher. In diesem englischen Video wird der Aerial Mend genau erklärt.

Reach Cast, Menden im Wurf

Der Reach Cast ist ein Wurf, bei dem der Mend bereits eingebaut ist. Im Gegensatz zum Aerial Mend wird die Schnur bereits vor dem Stopp auf die entsprechende Seite gelegt. In diesem englischen Video wird der Reach Cast genau erklärt.

Menden beim Streamer oder Nassfliegen fischen

Menden kann auch dazu genutzt werden eine Fliege schneller oder weniger schnell sinken zu lassen. Das ist vor allem beim Fischen mit Nassfliegen, Streamern, leichten Nymphen ohne Bissanzeiger oder Lachsfliegen interessant. Bei dieser Art der Fischerei werden oft Sinkschnüre verwendet, daher kann man oft nur direkt nach dem Werfen menden.

Downstream Mend, Fliege auf Tiefe bringen

Bei einem Downstream Mend, also in dem man den Schnnurbauch flussabwärts legt, werden Fliegen schneller Unterwasser gezogen. So bring man die Fliege schneller auf Tiefe.

Upstream Mend, Fliege an der Oberfläche halten

Der Upstream Mend wird eingesetzt, damit die Fliegen eher an der Oberfläche bleiben. Der Wasserdruck auf die Schnur wird so etwas reduziert und die Fliegen kommen nicht ganz so schnell auf Tiefe.

Schnur bei Streamerfischen grade halten

Beim aktivem Streamerfischen wird die Schnur nach dem Wurf ein Mal Flussaufwärts gemendet. Das hilft dabei, den Streamer beim einstrippen auf einer Linie zu halten. Der durch den Mend entstandene Schnurbauch wird durch die Strömung grade und man kann den Streamer grade einholen.

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