Wassertemperatur beim Fischen

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Die Wassertemperatur ist beim Fischen ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste. Fische sind wechselwarm, das bedeutet sie sind direkt von der Umgebungstemperatur abhängig. Bei kaltem Wasser sind die Fische sehr träge und bewegen sich kaum, beim warmen Wasser werden die Fische aktiver. Die Wassertemperatur hat auch Auswirkungen auf die Standorte.

In der untenstehenden Tabelle sind die Wassertemperaturen für verschiedene europäische Süsswasserarten aufgeführt. Die Temperaturen sind in °C angegeben.

FischMinOptPerfektKrti maxTot
Renke/Maräne/Felchen 8-1410  
Lachs0-99-2013-1520-2727
Bachsaibling0-88-2012-1620-2525
Forelle0-44-1914-1719-2525
Regenbogenforelle0-99-1914-1720-2525
Äsche0-44-1815-1718-2626
Quappe/Trüsche0-44-2016-1820-2121
Barbe    30
Barsch/Egli0-66-2820-2528-3434
Rotauge0-1212-2520-2525-3838
Wels 12-28   
Elritze0-1313-25 23-3131
Rotfeder0-1414-30 30-3838
Aal0-88-3022-2330-3939
Brasse0-88-2823-2628-3535
Döbel/Alet0-88-2823-2628-3535
Hecht0-99-2824-2628-3434
Zander0-1212-3120-2831-3737
Karpfen0-1515-3129-3131-3839
Schleie4-1515-26 26-3939

Fische haben verschiedene Wohlfühlstufen. Es gibt eine Minimaltemperatur, welche Sie brauchen um nicht in Kältestarre zu verfallen (Min in der Tabelle). Bis zum Erreichen der oberen Minimaltemperatur sind die Fische normalerweise träge und eher passiv. In Bächen kann es vorkommen, dass man verschiedene Arten dicht gedrängt unter einem ruhigen Stein findet. Bei den Temperaturen sind Fische sehr schwer zu fangen. Die Schleie ist unter 4°C zum Beispiel in Kältestarre. 

Die Optimalteperatur (Opt in der Tabelle) ist die Temperatur in der die Fische aktiv sind und Fressen. In diesem Temperaturbereich fängt der Stoffwechsel der Fische an stärker zu arbeiten, die Fische sind agiler, brauchen aber auch mehr Nahrung. In diesem Temperaturbereich lassen sich die Fische oft gut Fangen.

Ist die perfekte Wassertemperatur (perfekt in der Tabelle) erreicht, fressen die Fische sehr aktiv. Der Stoffwechsel ist nun am aktivsten. Die Fische sind sehr agil, brauchen aber auch viel Nahrung. In diesem Temperaturbereich sind die Fische am einfachsten zu fangen.

Fische haben auch ein Temperaturlimit nach oben. Irgendwann verlangsamt sich der Stoffwechsel wieder, die Fische werden träger und stellen das Fressen ein. Das sogenannte kritische Maximum (Krit Max in der Tabelle) sind die Temperaturen bei welchen die Fische wieder passiver werden. Bei den Wassertemperaturen sind die Fische sehr gestresst und man sollte sie in Ruhe lassen.

Fische haben auch immer eine Temperatur, bei welcher sie Sterben (Tot in der Tabelle). Ist diese Temperatur erreicht fangen die Fische an einzugehen. Das bedeutet aber nicht, dass bei genau 25°C Wassertemperatur alle Forellen mit dem Bauch nach oben schwimmen. Ab den Temperaturen fangen die ersten Exemplare einer Art an einzugehen. Meistens arbeitet der Stoffwechsel dann so stark, dass die Fische nicht mehr mit dem Fressen nachkommen und verhungern.

Fischaktivität gemäss Varley 1967

Was bedeutet die Wassertemperatur beim Fischen?

Die Temperatur ist für die Fischaktivität entscheidend. Fische sind wechselwarme Tiere, je nach Wassertemperatur sind sie aktiver oder passiver. Ein schnellerer Stoffwechsel bedeutet, sich die Tiere schneller bewegen können aber auch mehr zu fressen brauchen.

Teilweise wird der Fehler gemacht, Fische zu vermenschlichen und das verhalten mit menschlichem Verhalten zu vergleichen. Menschen oder allgemein Säugetiere sind jedoch warmblütige Tiere, was bedeutet wir sind immer etwa gleich Leistungsfähig unabhängig von der Umgebungstemperatur. Wechselwarme Tiere wie Fische aber auch Reptilien, Amphibien oder Insekten sind abhängig von der Umgebungstemperatur.

Fische kann man daher besser mit Insekten oder Reptilien vergleichen. Wer schon mal eine Fliege an einem Tag gesehen hat, weiss dass diese sich eher träge bewegt und gerne in der Sonne zum Aufwärmen sitzt. Ähnlich ist dies bei Fischen.

Ein gutes Beispiel ist die Verdauungsgeschwindigkeit von Fischen. Ein Zander (25-30cm) brauch bei 25°C Wassertemperatur etwa 28h bis er eine Ukelei (8-10cm) verdaut hat. Bei 20°C dauer es bereits 45h, bei 15°C 83h, bei 10°C 157h und bei 5°C 257h bis der Fisch komplett verdaut war. Das lässt auch Rückschlüsse auf die Aktivität zu. Wenn man die Grafik umkehrt, kann man etwa abschätzen wie die Aktivität der Zander zunimmt. 

Verdauungsgeschwindikeit von Zandern
Kehrt man die Kurve der Veraduungsgeschwindigkeit um, lässt das Rückschlüsse auf die Aktivität zu

Für Forellen gibt es noch bessere Untersuchungen. Dort sieht man deutlich, wie die Stoffwechselgeschwindikgeit ab 10°C Wassertemperatur sprunghaft zunimmt und dann ab 18°C wieder absinkt. Mehr zur Temperatur beim Forellenfischen erfährst du in diesem Beitrag auf Alpenforelle. Ähnlich dürfte es auch bei anderen Fischarten aussehen.

Aktivitätskurve von Forellen

Die verschiedenen Arten reagieren sehr unterschiedlich auf verschiedene Temperaturen. Äschen haben zum Beispiel das Temperaturminimum bei 4°C, fressen aber bis Temperturen knapp um den Gefrierpunkt an der Oberfläche. Barsche sind unter 6°C nur mit sehr langsamer Köderführung zu fangen und Forellen fressen unter 4°C kaum noch und sind sehr passiv.

Für Hechte gibt es auch genauere Untersuchungen zur Wassertemperatur. Obwohl sie sich ab 9°C Wassertemperatur schon wohl fühlen, gehen sie erst ab 15°C Wassertemperatur wieder ins Freiwasser. Eine optimale Temperatur für das Biomassenwachstum liegt bei 19°C, die optimale Wassertemperatur für das Längenwachstum liegt bei 21°C.

Trotzdem suchen Hechte, wenn möglich, gerne wärmere Bereiche um 23°C bis 24°C auf. Grosse Hechte über 71cm suchen im Sommer aber auch gerne Wasserschichten mit 16°C bis 21°C auf während mittlere Hechte in Wasserschichten mit 21° bis 22°C zu finden sind.

Wenn die Wassertemperatur in einem bestimmten Gewässerbereich die Optimaltemperatur übersteigt, bedeutet dies nicht, dass man dort keine Fische fangen kann. An warmen Sommertagen erwärmt sich das Wasser in Flachzonen von Seen oder Meer oft sehr stark. Dort ist für See- und Meerforellen oft gut Beute zu machen. Die Fische lauern dann in Bereichen wo die Temperatur stimmt und schnellen, wenn sie Beute sehen, aus der Tiefe hervor. An warmen Sommertagen sind daher Flachzonen mit angrenzender Kante sehr attraktive stellen.

Grade wenn das Wasser die optimale Temperatur hat sind die Fische extrem mobil und können für Beute auch etwas weg machen. Hechte, welche etwas tiefer stehen könne zum Beispiel auch sehr aggressiv auf Oberflächenköder beissen. Die Fische suchen sich einen Bereich mit der optimalen Temperatur, oder der Temperatur welche dieser am nächsten kommt, und verlassen diesen Bereich nur kurz zum Fressen.

Akklimatisierung

Die meisten Fischarten vertragen bei Akklimatisierung höhere Temperaturen. Das heisst, wenn sich das Gewässer langsam erwärmt vertragen die Fische höhere Temperaturen, als wenn sich das Gewässer schnell erwärmt. Untersuchungen haben gezeigt, dass Karpfen ab 26°C ein verändertes Verhalten zeigen, ist der See aber aufgewärmt, tritt die Verhaltensänderung erst ab 35°C auf.

Ähnlich ist es auch bei anderen Arten, wobei Karpfen eher ein Extrembeispiel sind. Grössere Temperatursprünge bereiten den Fischen meisten mehr Mühe. Besonders wenn die Temperatur schnell abfällt, und in den kritischen unteren Bereich kommt vertragen die Fische die Umstellung eher schlecht. Das ganze muss man aber auch etwas im Verhältnis sehen. In Bergbächen können Temperaturschwankungen von 7°C am Tag normal sein. Trotzdem ist das Verhalten der Fische nicht wirklich eingeschränkt.

Forschungsresultat mit Vorsicht geniessen

Allgemein ist die Forschungslage eher unklar und teilweise auch widersprüchlich. Forschungen an Fischen werden oft unter Laborbedingungen gemacht, das heisst in Aquarien. Dazu ist oft auch nicht ganz klar welche Art gemeint ist, vor allem wenn kein Wissenschaftlicher Name angegeben wird. Auf Englisch werden sowohl Regenbogenforellen als auch Bachforellen als Trout bezeichnet, beide Arten haben aber unterschiedliche Temperaturverträglichkeiten.

Regenbogenforellen werden wie Bachforellen im Englischen als Trout bezeichnet, haben unterschiedliche Temperaturverträglichkeiten

Um beim Beispiel der Forelle zu bleiben, die Bachforelle ist in Europa von Spanien über Österreich, England, Island bis Nordskandinavien verbreitet. für diesen Bereich gibt es nur sehr wenige Unterarten. In Südeuropa ist die Forschungslage etwas besser, grade für den Balkan sind diverse Unterarten beschrieben. Alleine in der Schweiz gibt es mindestens fünf verschiedene Forellenarten: Atlantische Forelle (Salmo trutta), Donau Forelle (Salmo Labrax), Zebraforelle (Salmo rhodanensis), Marmorataforelle (Salmo marmorata) und Trota Fario (Salmo cenerinus) vor.

Die Zebraforelle wurde erst im Jahr 1974 als eigene Art anerkannt und kommt im Einzugsgebiet der Rhone vor, also bis in den Mittelmeerraum. Sie hat somit mit hoher Wahrscheinlichkeit eine andere Temperaturverträglichkeit als die Isländischen Bachforellen. Gut möglich ist auch, dass man im Laufe der nächsten Jahre noch Unterscheidungen bei der Atlantischen Forelle findet.

Auch beim Hecht ist die Lage ähnlich. Erst 2011 wurde der Italienische Hecht als eigene Art anerkannt. Dazu muss man beachten, dass bis vor einigen Jahren es normal war Fischarten aus verschiedenen Regionen miteinander zu vermischen und so eine Hybridisierung herbeizuführen. In den Alpen wurden Jahrelang skandinavische Forellen besetzt. Diese sind zwar schneller gewachsen sind mit den Bedingungen in den Alpen aber schlechter halten. Renken gibt es praktisch in jedem Gewässer eine oder mehrere andere Arten.

Zu verschiedenen Fischgrössen gibt es ebenfalls wenig Forschung. Fischeier sind oft deutlich empfindlicher als die geschlüpften Jungtiere. Die geschlüpften Jungtiere sind oft resistenter als etwas Ältere und grössere Fische scheinen deutlich unempfindlicher gegenüber tiefen Temperaturen zu sein als mittelgrosse.

Bei grossen Forellen gibt es Beispielsweise Untersuchungen, welche zeigen, das sie sich kaum von tiefen Wassertemperaturen beeindrucken lassen. Auch im tiefsten Winter Jagen die grossen Forellen noch normal.

Daher ist davon auszugehen, dass es bei der Forschung noch grosse Lücken gibt und nicht alle Ergebnisse eins zu eins am Wasser anzuwenden sind. Zudem fehlt oft auch Fachliteratur oder diese ist nur schwer zugänglich. Vieles geht auch auf Beobachtungen zurück. Daher ist es Sinnvoll die genannten Zahlen als Richtwert zu nehmen und am Gewässer eigene Erfahrungen zu sammeln.

Wassertemperaturen Messen

Die Wassertemperatur lässt sich relativ gut mit entsprechenden Thermometern messen. Die besten Erfahrungen habe ich mit digitalen Küchenthermometern gemacht. Analoge Thermometer lassen sich oft eher schlecht ablesen und reagieren langsam. Auch Echolote zeigen die Temperatur zuverlässig an.

Solche Küchenthermometer eignen sich sehr gut zum Wassertemperatur messen

Wenn man die Temperatur von Hand misst, muss man darauf achten an der richtigen Stelle zu messen. Randbereiche und die Oberfläche erwärmen sich schneller und stärker als der Rest des Gewässers. Nur weil man 20°C am flachen Ufer misst, bedeutet dies nicht, dass das ganze Gewässer die Temperatur hat und diese auch den ganzen Tag gleich bleibt.

Faktor Sauerstoffgehalt

Neben der Temperatur ist auch noch der Sauerstoffgehalt für das Überleben der Fische. Dabei kann man grundsätzlich sagen Salmoniden brauchen mindestens 7mg Sauerstoff pro l Wasser, alle anderen Arten brauchen mindestens 5mg Sauerstoff pro l. Nur wegen des Sauerstoffgehalts sind hohe Wassertemperaturen kein Problem, in 30°C warmen Wasser können 7mg/l gelöst sein, was für jede Fischart ausreichend ist.

Je nach Temperatur kann das Wasser unterschiedliche Sauerstoffsättigungen aufnehmen. Warmes Wasser kann weniger Sauerstoff halten als kaltes. Die Theoretischen Werte für eine grösstmögliche Sauerstoffsättigung sind:

Wassertemperatur in °CSauerstoffgehalt in mg/l
014
1011
209
307

Das Problem ist, dass der Sauerstoff zuerst in das Wasser kommen muss. Direkt aus der Quelle ist das Wasser oft noch Sauerstoffarm. Der Eintrag erfolgt erst später. Der Eintrag über die Luft erfolgt, wenn das Wasser aufgewirbelt wird. Der Eintrag über Pflanzen erfolgt durch Photosynthese.

Das Wasser gibt aber auch Sauerstoff ab, bzw. der Sauerstoff wird im Wasser verbraucht. Das Wasser gibt Sauerstoff ab, wenn es sich erwärmt. Auch Wassertiere wie Fische, Insekten oder Wirbellose verbrauchen Sauerstoff. Auch Algen verbrauchen Sauerstoff. Je mehr organische Materialien (Pflanzenteile, Abfälle, Gülle/Fäkalien, Futtermittel) im See sind, desto mehr Algen gibt es auch im Gewässer. Dies kann dazu führen, dass See umkippt. 

Wenn ein Gewässer umkippt vermehren sich Algen massenhaft, es kommt zur sogenannten Algenblüte. Dadurch wird der Sauerstoffverbrauch und es kommt zu Faulprozessen. Dadurch werden giftige Faulgase frei und töten sämtliches Leben im Gewässer.

Wie bereits erwähnt gibt es bei verschiedenen Fischarten verschiedene Sauerstoffsättigungsverträglichkeiten bei Fischen. Für Salmoniden (Forellen usw.) sind über 7mg/l optimal. Unter 7mg/l wird es kritisch, unter 6mg/l ist im Normalfall tödlich. Bei allen anderen Arten wie Cypriniden (Weissfische, Karpfen, usw.) und Raubfischen sind über 5mg/l optimal, kritisch wird es unter 5mg/l und tödlich bei 3mg/l.

Hechte vertragen über kurze Zeit sehr tiefe Sauerstoffsättigungen

Geringe Sauerstoffsättigung geht meistens auch mit hohen Temperaturen einher. Die Fische brauche also sowieso schon viel Sauerstoff. Wenn der Sauerstoffgehalt im Wasser sinkt, kann es für die Fische kritisch werden. Auch in der Nacht wenn die Sauerstoffproduktion der Pflanzen abnimmt, das Wasser aber warm bleibt, kann es für Fische schwierig werden.

Es ist jedoch nicht so, dass Fische direkt sterben, wenn der Sauerstoffgehalt zu tief ist. Es gibt Untersuchungen welche zeigen, dass Fische über einen gewissen Zeitraum (12h bis 24h) auch mit geringeren Sauerstoffsättigungen von 3mg/l bis 5mg/l klar kommen.

Fischartmg/l Sauerstoff kurzfristig
Hecht0.1 – 2
Karpfen1 – 2
Zander2 – 5
Forelle3.5
Barsch4 – 5

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